| LOKALSPORT GÜTERSLOH
22.08.2007
Rückkehr als Arbeitskraft
Thomas Geuenich macht beim TuS Friedrichsdorf ein Freiwilliges
Soziales Jahr
VON CARSTEN BIERMANN
Gütersloh.
Auf dem Einsatzplan ist jeder Tag minutiös festgehalten. Dem Aufgabenbereich
"Organisation/Verwaltung" folgt am Nachmittag der Punkt "Training",
auf den sich Thomas Geuenich besonders freut. Der 19-Jährige hat
beim TuS
Friedrichsdorf angeheuert, um dem Nachwuchs Badminton beizubringen. Er
macht dort ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Sport.
Damit ist der Gütersloher zu dem Verein zurückgekehrt, für
den er 1995 die ersten Bälle geschlagen hat. Nach einem Krach mit
dem damaligen Trainer Robert Panasiewicz wechselte er 2002 gemeinsam mit
seiner Schwester Vera zu Phönix Hövelhof. "Für diesen
Verein werde ich auch weiterhin spielen", sagt Thomas Geuenich. Dort
laufe es für ihn gut, es gebe überhaupt keinen Grund, die Brocken
hinzuwerfen. Auch wenn die Friedrichsdorfer das Talent gerne als Spieler
für ihre Oberligamannschaft zurückgeholt hätten, freuen
sie sich über die einjährige
Zusammenarbeit. Die Idee, die FSJ-Stelle beim TuS einzurichten, hatte
Badminton-Jugendwart Andreas Volke. Nachdem er sich mit "unzähligen
Briefen" beim Landessportbund beworben hatte, genehmigte der Träger
schließlich die Stelle.
Dass sie Thomas Geuenich bekommt, war von Anfang an klar. Er besitzt
seit drei Jahren den Junior-Trainerschein und half in der Vergangenheit
schon ab und zu bei den Übungsstunden des TuS aus. "Jetzt können
wir täglich Training für Kinder und Jugendliche anbieten",
freut sich Volke. Als "Teammanager" kümmert sich Geuenich
zudem um die Wochenend-Turniere, meldet die Spieler an und organisiert
Fahrgemeinschaften. "Das ist eine große Entlastung für
uns", sagt Volke, der den Einsatz von Geuenich koordiniert.
Aber nicht nur die Badmintonabteilung profitiert von dem neuen Mitarbeiter.
Um die vorgeschrieben 38,5 Wochenstunden sinnvoll zu füllen, erledigt
Geuenich in der Geschäftsstelle die tägliche Verwaltungsarbeit,
die bei einem 2.200 Mitglieder starken Verein anfällt. "Normalerweise
machen das bei uns ausschließlich Ehrenamtliche", sagt Gerd
Roth.
Dem Vorsitzenden des TuS Friedrichsdorf ("Eine hauptamtliche Arbeitskraft
können wir uns nicht leisten") kommt die Unterstützung
gelegen. Roth: "Alles was mit Sport zu tun hat, landet auf homas’
Schreibtisch." Auch Projekte wie das Aufarbeiten der Vereinschronik
können dank der zusätzlichen Arbeitskraft, die den TuS monatlich
285 Euro kostet, endlich forciert werden.
Thomas Geuenich macht die Schreibtischarbeit durchaus Spaß. Er
findet es aber gut zu wissen, dass er um 14 Uhr in die Sporthalle verschwinden
darf. Schließlich möchte der frischgebackene Abiturient beruflich
etwas im Bereich Sport machen. "Vielleicht ein Studium", sagt
er. Das Jahr beim TuS Friedrichsdorf, das er anstelle von Wehr- oder Zivildienst
ableistet, soll ihm bei der Orientierung helfen.
Bei all den Möglichkeiten, sich zu profilieren, kann sich Thomas
Geuenich beim TuS auch unbeliebt machen. Mit der 2. Mannschaft von Phönix
Hövelhof trifft er in der Verbandsliga auf die Reserve des TuS Friedrichsdorf.
"Vielleicht kommt es ja zum Trainerduell", sagt Volke und schmunzelt.
Die Drohung, im Falle einer Niederlage die Arbeitsbedingungen für
Thomas zu verschärfen, meint er dann aber nicht ganz ernst. |