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Wir berichten hier über die inzwischen 110-jährige Geschichte unseres Vereins. Die Chronik wird in unregelmäßigen Abständen ergänzt. (Wer mit Text und Fotos zum Gelingen dieser Chronik beitragen kann, wende sich bitte an  Jochen Wesemann Tel.: 05209 -4916

 


 

Am 1. August 1900 wurde der Verein von den Sportkameraden Fritz Imkamp, Wilhelm Bernhörster und Adolf Glashörster in der Gaststätte Wilhelm Bernhörster, Friedrichsdorf, gegründet.

 

Der Verein bekam den Namen Turnverein Friedrichsdorf. Als 1. Vorsitzender wurde Fritz Imkamp gewählt und 1. Kassierer war Wilhelm Bernhörster, der dieses wichtige Amt bis 1930 mit größter Sorgfalt ausübte. Als Farben wurden bestimmt: Grün-Weiß.

 

Es wurde eine Turnabteilung gegründet. Leider konnte man im Vereinslokal nicht turnen, da kein geeigneter Raum zur Verfügung stand. So musste der Verein in Räume der benachbarten Lokale ausweichen. Aber die Versammlungen fanden immer im Vereinslokal statt.

 

Neben dem Turnverein Friedrichsdorf bestand noch ein Kraftsportverein, der sich bald dem Turnverein anschloß. So wurde aus dem Turnverein ein Turn- und Sportverein. Der Verein wuchs verhältnismäßig schnell, denn bis 1920 waren über 10% der Einwohner Mitglied im TuS Friedrichsdorf.

 

Schon 1919 nahm nach starker Nachfrage als 3. Abteilung innerhalb des Vereins eine Damen-Turnriege den sportlichen Kampf auf. Im Wettkampf mit anderen Vereinen konnte man sich wohl messen, denn der TuS hatte gute Turner in seinen Reihen.

 

Erst viel später, 1940, wurde mit dem Fußballspielen begonnen. Nach kurzer Anlaufzeit schaffte die 1. Mannschaft den Vizemeister in der Kreisklasse. Das entscheidende Spiel in Heepen ging durch einen schwerwiegenden Torwartfehler mit 3:2 verloren, und damit war der Traum einer Meisterschaft ausgeträumt.

 

Im Laufe der Zeit hat sich auch in den Spitzen des Vereins etwas getan. So übernahm von 1914 – 1928 Paul Feuerborn und von 1928 – 1945 August Groll die Vereinsführung.

 

Während der Kriegszeit ruhte fast der gesamte Sportbetrieb. Die Damenturnabteilung bestand noch bis zum Kriegsende, musste aber dann aufgelöst werden, da keine Möglichkeiten bestanden, den Turnbetrieb aufrecht zu erhalten.

 

Nach dem Krieg rief der TuS Friedrichsdorf als einer der ersten Vereine am 20. 8. 1945 seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung. Nachdem der Krieg beendet war, waren auch die Voraussetzungen für die Abwicklung eines normalen Sportbetriebes gegeben.

 

Es wurde ein neuer Vorstand gewählt. Die Wahl fiel auf folgende Mitglieder:

 

Ernst Groll (1. Vorsitzender), Ernst Budde (2. Vorsitzender), Eduard Bentrup (1. Kassierer), Josef Bernhörster (2. Kassierer), Günther Fussy (1. Schriftführer), Adolf Kotzik (2. Schriftführer), Karl Brienne (1. Turnwart), Josef Meier zu Verl (2. Turnwart), Lotte Niermann (1. Turnwartin), Elsbeth Bernhörster (2. Turnwartin), Heinrich Bollmann (Gerätewart), Ewald Johannhardt (Sportwart) und Heinz Mütherties (Jugendwart).

 

Dieser erste Vorstand nach dem Kriege hatte nun das schwere Amt, für die Zukunft die Belange des Vereins zu vertreten.

 

Er unternahm nun alle Anstrengungen, den Verein zu vergrößern. Innerhalb von 9 Tagen wuchs der TuS um 15 Mitglieder. Das war unter den damaligen Verhältnissen ein großer Erfolg. Auf Anordnung der Militärregierung musste eine Mitgliederliste aller Vereinsangehörigen eingereicht werden. Eine Umfrage aller bisherigen Mitglieder des Vereins wurde erforderlich, um diesem Befehl nachzukommen. Fast 90 Sportkameraden hielten dem TuS Friedrichsdorf die Treue, nur 4 Sportler ließen sich aus der Mitgliederkartei streichen.

 

Da neue Sportgeräte angeschafft werden mussten, wurden die Beiträge für männliche Mitglieder über 18 Jahre auf 1,-- RM und weibliche und jugendliche Mitglieder auf 0,50 RM im Monat erhöht.

 

Am 5. Januar 1946 trat der TuS dem Volkssportverband von Westfalen bei, der seinen Sitz in Arnsberg hatte. Dieser Schritt war für den organisatorischen Auf- und Ausbau des Vereins von großer Bedeutung. Nun waren alle Weichen für eine erfolgreiche Vereinsarbeit gestellt.

 

Turnabende für Männer und Frauen wurden festgelegt. Dem Verein schlossen sich innerhalb von einem Jahr 58 neue Mitglieder an. Dieses war ein Verdienst des Vorstandes, da der Sportbetrieb sofort nach Beendigung der Kampfhandlungen aufgenommen wurde. Dadurch war auch die finanzielle Lage des Sportvereins gut.

 

Der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten, denn 1946 wurde die 1. Fußballmannschaft Vizemeister. Aus Anlaß dieses Erfolges wurde am 21. 9. 1946 das erste Fest nach dem Kriege gefeiert, denn Feste feierte man früher schon gerne.

 

Die erste Kreisverbandssitzung wurde am 31. 8. 1946 in Neuenkirchen durchgeführt. Hans Fitze, Gütersloh, wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Außerdem wurde ein Antrag eingebracht, dass Jugendliche in Zukunft eine Probezeit von einem halben Jahr als Vereinsangehörige mit vollem Versicherungsschutz durchmachen müssen. Es sollte dadurch festgestellt werden, ob der betreffende ein brauchbares Mitglied für den Verein ist.

 

Die 1. Fußballmannschaft stieg nach der Vizemeisterschaft 1946 in die Bezirksklasse auf und spielte nun mit Arminia Bielefeld, Fichte 06/07 Bielefeld, Eintracht Bielefeld, TSV Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen in einer Gruppe.

 

Am 22. Dezember 1946 spielte die 1. Mannschaft gegen Arminia Bielefeld auf der Alm und gewann mit 2:1. Beide Tore schoß der ausgezeichnete Spieler Kurt Büsgens, der auch 1936 Ersatzläufer der Olympischen Spiele war. Nach der von beiden Mannschaften überaus harten Begegnung stürmten die Zuschauer das Spielfeld. Arminia bekam 6 Wochen Platzsperre.

 

Auszug aus der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsbestehen von Arminia Bielefeld:

„Herunter von den Wällen und auf die Friedrichsdorfer Spieler los, war das Werk eines Augenblicks.“ werden da die ersten belegten Fan-Ausschreitungen der Klubgeschichte beschrieben: „Die Gästespieler wurden gejagt wie die Hasen. Nur auf Umwegen gelangten die Friedrichsdorfer nach Hause, so aufgeregt war die Meute.“

Der Grund für die Aggressionen war in der psychologischen Situation der Arminia-Fans zu suchen. An Gegner wie Schalke 04, Borussia Dortmund oder VfL Bochum gewöhnt, war die Enttäuschung riesengroß, nicht einmal „Dorfvereine“ wie den TSV Detmold, GW Bielefeld oder eben jenen TuS Friedrichsdorf beherrschen zu können, der sich am 22. Dezember 1946 erdreistete, auf der Alm 2:1 in Führung zu gehen. Der nach den Ausschreitungen fällige Spielabbruch und die Wertung zugunsten der Friedrichsdorfer war nur einer der Gründe für den Abstieg in die dritthöchste Spielklasse.

                                                                

Es war wohl der größte Erfolg der Fußballabteilung. Aber auch die Reserve wollte nicht nachstehen und schaffte den Aufstieg in die 1. Kreisklasse.

 

Gegen TuS Friedrichsdorf spielten schon so bekannte Namen wie: Fritz Langner, Schotte Schwarz, Helmut Kronsbein, Herbert Kordfunke, Zilinsky, Schwager Fritz usw. Wer kennt diese Namen nicht, die auch heute noch zu den Vorbildern des Fußballsports gehören.

 

Nun gründete man 1948 eine Damen-Handball-Mannschaft. Es war die einzigste im Kreise Wiedenbrück. Der größte Erfolg war die Vize-Ostwestfalen-Meisterschaft in Minden. Es wurden so gute Mannschaften wie VfB Bielefeld besiegt.

 

Durch den Abgang vieler Spieler wurde die Fußballabteilung so stark geschwächt, das 1948 der Abstieg in die 1. Kreisklasse nicht mehr aufzuhalten war.

 

Es wurde schon immer großer Wert  auf gute Jugendarbeit gelegt. So errang die 1. B-Jugend 1955 die Kreismeisterschaft und die Schülermannschaft wurde Vizemeister.

 

Die 1. Fußballmannschaft hatte sich wieder gefangen und erreichte 1956 die Herbstmeisterschaft in der 1. Kreisklasse, aber zum Meister reichte es leider nicht. Der Verein besaß zu der Zeit 5 Jugend- und Schülermannschaften.

 

Noch 1957 stellten wir die einzige Damenhandballmannschaft im gesamten Kreis Wiedenbrück. An dieser Stelle möchten wir besonders Frau Tölkemeier erwähnen, die durch ihre Mühe wesentlich zum Erfolg beigetragen hat. Denn als sie von Friedrichsdorf fortzog, wurde diese erfolgreiche Abteilung aufgelöst, weil sich keiner bereitfand, sich für die Handballabteilung zur Verfügung zu stellen.

 

Der TuS unterhielt inzwischen eine Turnabteilung für Damen und Herren, eine Tischtennis-, Leichtathletik- und Fußballabteilung, was ein echter Beweis für gute Breitenarbeit war. Leider waren in der Folgezeit die geeigneten Räume nicht mehr vorhanden und es standen zu wenig Betreuer zur Verfügung. So kam durch diese Umstände in fast allen Abteilungen der Sport zum Erliegen.

 

1962 wurde  Hans Niermann zum 1. Vorsitzenden  gewählt. Durch das Schließen einiger Abteilungen wurde es immer schwerer, geeignete Männer zur Mitarbeit zu bewegen, weil der Verein sinkt und steigt mit dem Erfolg der 1. Fußballmannschaft.

 

Nun kam eine neue Sorge auf den Vorstand zu, denn die Pachtzeit des Sportplatzes lief ab. Der Grundstückseigentümer war nicht gewillt, eine Verlängerung zu genehmigen. Die Gemeinde kaufte ein neues Gründstück an der Verler Straße, und der Spielbetrieb konnte aufrechterhalten werden.

 

Diese Unruhe wirkte sich auf die 1. Fußballmannschaft sehr negativ aus. Sie musste in die 2. Kreisklasse absteigen.

 

 

Auszug Broschüre 70 Jahre TuS Friedrichsdorf zur Sportwerbewoche vom 9. – 14. Juni 1970





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